Real Estate Women Summit 2017

Rollen und Chancen

Führung muss nicht dominant sein, Stereotype sollten nur bewusst bedient werden und die Arbeitswelt wird in Zukunft ein bißchen weiblicher sein. Dies waren nur einige der Botschaften eines in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Immobilien-Events.
Von Markus Gerharz

Ein besonderer Ort, ein ungewöhnliches Format und für eine Immobilienveranstaltung ein absolut außergewöhnliches Publikum fast gänzlich ohne Männer. Zumindest Letzteres liegt beim Real Estate Women Summit in der Natur der Sache, denn der Event richtet sich explizit an Immobilienmanagerinnen. Wer jetzt denkt, es handele sich um eine Veranstaltung mit reinen „Frauen-Themen“, der ist auf dem Holzweg. Die weiblichen Führungskräften der ersten und zweiten Ebene, die heute und in Zukunft ihre Unternehmen entscheidend prägen werden, diskutierten Management- und Fachthemen, die für jeden Immobilienmanager relevant sind und noch lange bleiben werden: Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt? Wie gelingt Mitarbeiterführung in Zeiten sich rasant verändernder Arbeitswelten, welche Stereotype bedienen Frauen in der Arbeitswelt bewusst oder unbewusst und was macht erfolgreiches Recruiting in Zeiten von Social Media aus?

 

Vorsicht vor Stereotypen

Eine erfahrene Managerin, die sich mit Rollenbildern, Stereotypen und Human Resources auskennt, ist Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp, Leiterin Personal Konzern und Konzernführungskräfte bei der Deutschen Bahn. Sie appellierte an die weiblichen High Potentials, nicht in Automatismen und Stereotype zu verfallen, die nicht zur eigenen Persönlichkeit passen. „Machen sie sich die Rollen bewusst, die sie ausfüllen können und nutzen sie diese dann bewusst. Denn wer selbstbewusst und ernsthaft zielstrebig ist, der wird auch ernst genommen“, ist ihre Erfahrung. Deshalb müsse sich jeder die Fragen stellen: Wo möchte ich eigentlich einmal hin und welche Rolle möchte ich auf diesem Weg wann übernehmen? Frauen müssten sich stärker ihres Wertes für die Unternehmen bewusst sein, erklärte die ehemalige Rewe-Managerin bei der Break-out-Session zum Thema Stereotype. Eine Forderung, die auch Professor Dr. Christiane Funken unterstützte. Sie leitet den Fachbereich Kommunikations- und Mediensoziologie, Geschlechterforschung, der TU Berlin und machte das Problem an einem anschaulichen Beispiel aus ihren Studien deutlich: Befragt nach dem Grund für eine Beförderung, loben ihrer Erfahrung nach Frauen häufig die Unterstützung ihrer Vorgesetzten oder führen schlicht glückliche Umstände an. Ganz anders die Antworten der meisten Männer, die sich und ihre Leistung selbstbewusst als ausschlaggebend sehen.

 

Weibliche Makel werden zum Vorteil

Ein gehöriges Maß an Selbstbewusstsein wird gemeinhin auch der Generation Y zugeschrieben – unabhängig vom Geschlecht. Bei der Führung dieser „neuen“ Generation sind nach Auffassung von Inga Beyler, Managing Director, Bernd Heuer & Partner Human Resources, weibliche Führungskräfte gegenüber vielen männlichen Kollegen im Vorteil. „Bei der Führung der Generation Y helfen Attribute, die bislang oft als weiblicher Makel galten“, sagte sie. Konsens-Orientierung, Kommunikationsstärke oder kooperative Führung statt Dominanz entsprechen häufig eher den Erwartungen junger Nachwuchskräfte an ihre Vorgesetzten. Nicht nur die Mitarbeiter verändern sich, auch die Arbeitswelt als Ganzes und die Aufgaben und Anforderungen, die an das Management gestellt werden. Feste Berufsstrukturen mit einer fachspezifischen Ausbildung werden durch die digitale Arbeitswelt aufgeweicht. Mühsam erworbenes fachbezogenes Wissen
rückt in den Hintergrund. Hiervon ist auch die Management-Ebene betroffen. Laut Professor Dr. Marion Weissenberger-Eibl vom Fraunhofer Institut für Systemund Innovationsforschung bringt das für Frauen allerdings auch Chancen mit sich. Denn in der modernen Arbeitswelt wird es stärker um die Vernetzung unterschiedlicher Themengebiete gehen und um das Zusammenstellen und Anleiten von Teams. „Bei diesem Orchestrieren von Kooperationsprozessen ist soziale Interaktionsfähigkeit eine Schlüsselkompetenz“, erklärte sie.

 

Die Managerin des Jahres

Gut möglich, dass solche fundamentalen Veränderungen der Arbeitswelt am Ende das schaffen, was die Frauenquote nicht geschafft hat: mehr Frauen in Vorstände und Chefposten bringen. Eine, die die gläserne Decke bereits heute durchbrochen hat, ist Maya Miteva. Sie ist Finanzvorstand der Centerscape Deutschland GmbH und wurde im Rahmen des Real Estate Women Summit als Managerin des Jahres ausgezeichnet. „Sie ist ein gutes Role Model dafür, wie man Netzwerke aufbaut, pflegt und nutzt“, sagte Paul Jörg Feldhoff bei seiner Laudatio. Dass ihr noch viele gute Vorbilder folgen, dafür will Maya Mitreva selbst sorgen und beweist damit, dass sie genau die richtige Preisträgerin ist: Sie ist gerade dabei ein Mentorenprogramm für weibliche Nachwuchskräfte auf die Beine zu stellen.