Real Estate Forum München 2017

Meinungsführer und Entscheidungsträger im engen Austausch:

Digitalisierung nimmt Fahrt auf / Sozialer Wohnungsbau weiterhin nicht in Sicht
Über 80 Meinungsführer und Entscheidungsträger der Immobilienbranche trafen sich auf dem Real Estate Forum von Feldhoff & Cie. im Münchner The Charles Hotel. Neben den aktuellen Entwicklungen am Münchner Wohnungsmarkt stand auch der Investmentmarkt auf der Agenda.

Grundstückspreise bremsen sozialen Wohnungsbau

Auch die Politik-Prominenz war vertreten und gab Einblicke in deren Pläne und Maßnahmen. Claudia Tausend, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzende der Münchner SPD, eröffnete mit ihrem Impuls zu den aktuellen politischen Entwicklungen vor der Bundestagswahl und den Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft . Thomas Kreuzer, Mitglied des Bayerischen Landtags und Vorsitzender der CSU-Fraktion, stellte in seinem Impuls die Konzepte und Impulse seiner Partei dar und legte dabei insbesondere den Schwerpunkt auf das bayerische Programm für den Wohnungsbau. Bei einer Frage waren sich SPD und CSU einig: Eine angemessene steuerliche Entlastung muss her, und die derzeitigen Grundstückspreise bremsen den sozialen Wohnungsbau.

Preisunterschiede zu erklärungsbedürftig

Wie die Lage am Investmentmarkt aktuell aussieht, sich entwickelt und in welche Assetklassen investiert werden, diskutierte Moderatorin Annette Pospich, Co-Head Real Estate Investment Group von NOERR LLP, zusammen mit Mathias Düsterdick, dem Vorstandsvorsitzenden der GERCHGROUP AG, Stefan Rieger dem Geschäftsführer der Rock Capital Investment GmbH, Oliver Hecht, dem Leiter des Verbund- und Inlandsgeschäfts der Berlin Hyp AG und Andreas Eichwald dem JLL-Team Leader Office Investment in München. Dabei wurde auch über die großen Unterschiede im Quadratmeterpreis zwischen direkter Innenstadt und angrenzenden Stadtgebieten gesprochen. Diese Differenzen seien, so Andreas Eichwald, gerade für ausländische Investoren nur schwer erklärbar. Nach wie vor, da waren sich alle Diskutanten einig, liegen die Assetklassen Hotel und Büro immer noch im Trend. Laut JLL sei das Transaktionsvolumen im gewerblichen Investmentmarkt im Vergleich zu 2016 um 47 Prozent gestiegen.

Digitalisierung weiter im Fokus

Wie können neue Formen des Zusammenlebens aussehen und an welchen Stellen kann die Immobilienbranche als Gestalter ansetzen? Mit welchen neuen Lösungen und Konzepten können digitale Akteure auf dem Immobilienmarkt punkten, und welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf den Immobilienmarkt? Das waren die Fragestellungen, um die es im zweiten Teil der Veranstaltung ging. Tom Zeller, Managing Partner bei Feldhoff & Cie. sagte: „Mit den Effekten auf die Immobilienbranche beschäftigen wir uns intensiv. Bei unseren Foren ist auch immer ein PropTech dabei, denn die neuen digitalen Möglichkeiten werden unsere Branche an vielen Stellen beeinflussen und auch grundlegend verändern – darüber wollen wir sprechen.“ Ein Beispiel dafür, gab Alexander Veit, CTO & Datenschutzbeauftragter, My Real ID GmbH, dessen Unternehmen den gesamten Prozess der Selbstauskunft digitalisiert hat.

Geringe Verschuldung mit positivem Effekt

Auch das Thema Micro-Apartments wurde von Christian Scheuerl, Geschäftsführer der MPC Mirco Living Development GmbH betrachtet. Hier zeigte sich, dass es einen Markt gibt, der allerdings sehr spezifische Zielgruppen mitbringt. Vor dem Hintergrund hoher Grundstückspreise und steigender Baukosten, gab Markus Lechner, Projektleiter „Bauen mit Weitblick“ der Technischen Universität München einen Impuls mit wissenschaftlicher Basis. Im Fokus seiner Forschung steht ein standardisiertes Baukastensystem für Wohnungen – sein Ziel: die Baukosten unter 1.600 Euro pro Quadratmeter senken. Den Abschluss bildete Prof. Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Konjunkturforschung und Befragungen, mit einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung und den damit verbundenen Trends, Chancen und Risiken. Seine Aussage: „Aktuell haben wir keine Immobilienblase – doch gewisse Tendenzen dazu sind erkennbar.“ Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Deutschen allerdings sehr wenig verschuldet, was wiederum ein positiver Effekt sei.